Schmale Pfade

Deutschlands schönste Wanderwege

Berchtesgadener Alpen - Klausbachtal

Vom Hintersee zum Hirschbichlpass

Die Wanderung durch das Klausbachtal ausgehend von der Nationalpark Infostelle Hintersee (Klausbachhaus) bis zum Hirschbichlpass (1152m) gehört mit zu den abwechslungsreichsten, einfachen Wandertouren im Nationalpark Berchtesgaden. Wer möchte, kann die Wanderung auch beim Hirschbichlpass beginnen, denn zwischen dem Nationalparkhaus und dem Hirschbichlpass besteht eine direkte Busverbindung (AlmErlebnisBus RVO 847; die Straße ist davon abgesehen für den öffentlichen Verkehr gesperrt). Es hängt im Grunde also nur davon ab, ob man lieber bergauf oder bergab gehen möchte, wobei man meinem subjektiven Empfinden nach bergab die etwas schönere Aussicht hat. Da der Bus unterwegs mehrmals hält, kann man es sich bei Bedarf zwischendurch auch noch anders überlegen. Beide Strecken zu gehen lohnt sich aber nicht, da es sich in beiden Fällen um ein und denselben Weg handelt. Für den Weg sind jeweils je nach Schritttempo 2 bis 3 Stunden (ca. 7 km pro Strecke) zu veranschlagen. Mountainbike-Fahrer brauchen allenfalls die Hälfte der Zeit und können die Straße benutzen, auf welcher auch der Bus entlang fährt, sie dürfen den Wanderweg jedoch nicht befahren (woran sich erfahrungsgemäß leider nicht alle halten). Bei dem Weg handelt es sich durchweg um einen gut ausgebauten, sehr breiten Wanderweg, der von Wanderern aller Altersstufen sehr gut begangen werden kann. In gewisser Weise wandert man hier auf historischen Spuren, da es schon sehr früh einen Weg durch das Klausbachtal und über den Hirschbichlpass gegeben hat. Dieser so genannte Saumweg wurde in erster Linie für den Salztransport genutzt.


Es lohnt sich übrigens, nicht gleich aufzubrechen (bzw. sich nach der Rückkehr nicht gleich in den nächsten Bus zu setzen), sondern sich zunächst einmal die Nationalpark Infostelle Hintersee anzusehen. Das so genannte Klausbachhaus ist nämlich eigentlich ein altes Bauernhaus und somit schon alleine wegen seiner Architektur von Interesse. Außerdem beherbergt es eine ziemlich interessante Ausstellung unter anderem zu den diversen Forschungsprojekten im Nationalpark. So erfährt man zum Beispiel ein wenig über das Steinadlerpaar, welches im Klausbachtal nistet, und welches man mit viel Glück vielleicht sogar aus der Ferne zu Gesicht bekommt. Auch eine kurze Einkehr in der Infostelle Engert-Holzstube auf etwa der Hälfte des Weges kann sich lohnen. In der ehemaligen Waldarbeiterhütte informiert eine Ausstellung über den langwierigen Wandlungsprozess vom reinen Wirtschaftswald zum artenreichen Naturwald. Dies ist für das Klausbachtal besonders relevant, schließlich wurde hier jahrhundertelang Raubbau an der Natur betrieben. Der einstige Bergmischwald musste monotonen Fichtenbeständen weichen, die den kontinuierlichen Holznachschub für die Region sichern sollten. Spätestens seit der Gründung des Nationalparks ist damit aber Schluss und eine natürliche Waldlandschaft ist erneut im Entstehen begriffen.


Nachdem man etwa fünf Minuten nach der Schranke beim Klausbachhaus die Straße hinter sich gelassen und links auf den Wanderweg gewechselt ist, geht es zunächst ein ganzes Stück auf gerader Strecke weiter. Schnell gelangt man zum Wildtiergatter, in welchem das Rotwild aus dem Tal die Wintermonate (November - April) verbringt. Da die natürlichen Rückzugsräume des Wildes im Winter (sprich die an den Nationalpark angrenzenden Wälder im Flachland) stark geschrumpft sind, ist dies für das Wild der sicherste Weg, den Winter gesund und kräftig zu überstehen. Nach dem Wildgatter führt der Weg immer noch eine ganze Weile weiter geradeaus und steigt dann langsam an. Die nächste größere Etappe ist die 55 Meter lange und 11 Meter hohe Hängebrücke (wurde im September 2010 eröffnet), die über den Klausbach und an dem großen Bergsturz von 1999 vorbeiführt, der auch Teile des ursprünglichen Wanderweges zerstört hat. Die Abbruchstelle am Kleinen Mühlsturzhorn ist von hier aus sehr gut zu erkennen. Der Weg führt nun durch zunehmend bewaldetes Gebiet und steigt jetzt stetig, aber langsam. Allmählich gerät der Gebirgsstock des Hochkalter auf der linken Seite ein wenig aus dem Blick, dafür werden die Ramsauer Dolomiten (Stadelhorn 2286 m, Großes Mühlsturzhorn 2234m, Grundübelhörner 2096m) auf der rechten Seite immer besser sichtbar. Den besten Blick auf die Steilabstürze dieser imposanten Bergkette, welche Teil der Reiteralpe ist, hat man jedoch von den saftig grünen Hügeln der Bindalm aus. Dort können auch vier historische Almhütten (Kaser) besichtigt werden. Bis zum Hirschbichlpass ist es nun nicht mehr weit, daher empfiehlt es sich das Panorama der Bindalm noch einmal in vollen Zügen zu genießen, denn dieses stellt zweifelsohne den Höhepunkt dieser nicht gerade abwechslungsarmen Wandertour dar (was wiederum ein Argument dafür ist, die Tour beim Hintersee und nicht beim Hirschbichlpass zu beginnen).

Ausgangspunkt: Nationalpark Infostelle Hintersee / Wanderparkplatz Hirschbichlstraße (ca. 800m südlich vom Hintersee). Am nächsten ist die Haltestelle Auzinger (RVO-Bus 846).

Dauer: 2-3 Stunden pro Strecke

Entfernung: ca. 7 km pro Strecke

Schwierigkeit / Anspruch: die Wanderung durch das Klausbachtal ist absolut familientauglich und erfordert keine besondere Erfahrung oder Ausrüstung. Es kann aber nicht schaden, etwas Proviant für eine kleine Brotzeit mitzubringen, da sich die Strecke doch ganz schön ziehen kann und zwischendrin keine Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind.

Abstecher / Anschlusstouren: Bei der Bindalm besteht die Möglichkeit eines Abstechers zur Mittereisalm, dieser Weg ist jedoch schwieriger als die Hauptwanderroute und daher nicht generell allen Wanderern zu empfehlen. Vom Hirschbichlpass aus kann die Litzalm (1310m) innerhalb einer halben Stunde erreicht werden. In ca. 1 1/2 Stunden kann man außerdem vom Hirschbichlpass über den so genannten Erlebnisweg hinunter nach Weißbach bei Lofer wandern und dann mit dem RVO Wanderbus nach Berchtesgaden zurückfahren.

Empfohlene Jahreszeit: die Wanderung durchs Klausbachtal gehört zu den wenigen längeren Wanderungen im Nationalpark, welche in der Regel (außer bei starken Schneefällen) das gesamte Jahr hinweg unternommen werden können.

Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Auzinger am Hintersee, Bindalm (ist nur in den Sommermonaten bewirtschaftet), Gasthaus Mooswacht am Hirschbichl, Litzlalm.

Nützliche Links:

AlmErlebnisBus. Informationen zum Fahrplan und den Tarifen vom AlmErlebnisBus.

RVO Bus 846. Fahrplan vom RVO Bus 846.

Nationalpark-Informationsstelle Hintersee. Webseite vom Klausbachhaus.

Nationalpark-Informationsstelle Engert-Holzstube. Webseite der Infostelle Engert.

Nationalpark Berchtesgaden - Das Klausbachtal Natur im Wandel. Info-Flyer zum Klausbachtal (PDF-Datei).

Wikipedia - Ramsaudolomit. Wikipedia-Seite zum Ramsaudolomit.

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