Schmale Pfade

Deutschlands schönste Wanderwege

Berchtesgadener Alpen - Königssee

Malerwinkel - Königssee - Obersee - Röthbachfall

Der Königssee ist zweifelsohne das beliebteste Besucherziel im Nationalpark Berchtesgaden. Nicht ganz Unrecht, denn zum einen ist der fjordartige See einfach herrlich idyllisch gelegen und Ausgangspunkt für eine Vielzahl attraktiver Unternehmungen, zum anderen kommt hier einfach jeder auf seine Kosten: gemütliche Bootsfahrten und Wanderungen für Groß und Klein stehen hier genauso auf dem Programm wie anspruchsvolle Berg- und Klettertouren. Dafür nimmt man es gerne auf sich, sich zunächst durch eine unsägliche Touristenmeile voller Souvenirläden quälen zu müssen. Denn diese stellt den leider einzigen Weg zur Bootsanlegestelle Seelände dar. Wer sich dem Königssee lieber zuerst ein wenig zu Fuß annähern möchte, bevor es dann mit der Fähre quer bis ans andere Ende des Sees geht, kann von hier aus auch zunächst den beliebten Malerwinkel-Rundweg beschreiten, die Bootsfahrt sollte man dann jedoch auf einen anderen Tag verschieben. Der Rundweg ist gut ausgeschildert und führt zu einem sehr schönen Aussichtspunkt, von welchem große Teile des Sees bis einschließlich der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä auf der Halbinsel Hirschau überblickt werden können. Von dort geht es dann durch den Wald zurück zum Ausgangspunkt.


Es empfiehlt sich frühzeitig zum Königssee aufzubrechen, denn der Andrang auf die Fähren kann an schönen Tagen enorm groß sein. Wer erst am späten Nachmittag wieder zurückfährt, wird zudem kaum um längere Wartezeiten herumkommen. Solange man aber nicht die letzte Fähre zurück verpasst, ist dies alles halb so schlimm. Verpassen sollte man die Fähre allerdings tatsächlich nicht, denn eine Übernachtung ist weder bei St. Bartholomä, noch bei Salet / Obersee möglich und auch ein durchgehender Uferweg ist am Königssee nicht vorhanden. Das erste Ziel der Fähre ist die Halbinsel Hirschau, bei Bedarf wird auch schon vorher bei der Anlegestelle Kessel Halt gemacht (siehe Anschlusstouren weiter unten). Ein kleiner Zwischenstopp auf dem See ist dabei auch inbegriffen, nämlich vor der so genannten Echowand, wo der Bootsführer mittels einer Trompete einen recht eindrucksvollen Echoeffekt vorführt. Hier ist man auch gar nicht so weit von jener tragischen Stelle entfernt, wo im Jahre 1688 70 Pilger nach einem Floßunglück ums Leben gekommen sind. Schwimmen ist in dem bis zu 190 Meter tiefen See, dessen Wasser Trinkwasserqualität aufweist, übrigens nichtsdestotrotz erlaubt. Aufgrund der meist sehr kühlen Wassertemperaturen des Sees machen allerdings nur besonders wagemutige Naturen auch tatsächlich von diesem Recht Gebrauch.


Schon lange bevor die Anlegestelle erreicht ist, rückt die Wallfahrtskapelle St. Bartholomä prächtig ins Blickfeld, im Hintergrund ragt die gewaltige, 1800 Meter hohe Watzmann-Ostwand auf, deren Besteigung nur sehr erfahrenen und bestens vorbereiteten Kletterern vorbehalten bleibt. Die Ursprünge der Kapelle reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück, der heutige Bau wurde aber erst 1868 eingeweiht. Bis heute ist sie Ziel der alljährlich Ende August stattfindenden Almer Wallfahrt. Unweit der Kapelle findet sich neben einer Gaststätte auch das Fischerstüberl, in welchem der „Fischer vom Königssee“ seine bekannten „Schwarzreiter“ (geräucherte Saiblinge) anbietet. Von St. Bartholomä aus bestehen viele verschiedene Wandermöglichkeiten (siehe Abstecher / Anschlusstouren weiter unten), doch wer auch noch den Obersee samt Röthbachfall besuchen möchte, sollte sich nicht zu lange auf der Halbinsel aufhalten. Der Obersee ist das Ziel der letzten Fährstation, Salet bzw. Saletalm. Auf dem Weg dorthin ist unter anderem der etwa 80 Meter hohe Schrainbach-Wasserfall zu sehen, der sich direkt in den Königssee ergießt. Bei der Alm angekommen, gibt es in einem Gasthof erneut die Gelegenheit zu einer Rast, schöner ist es allerdings bei der Fischunkelalm direkt am Obersee, auch wenn dort das Angebot deutlich kleiner ausfällt.


Der nur ca. 600 Meter vom Königssee entfernte Obersee ist schnell erreicht und beeindruckt wie der Königssee mit seinem kristallklaren Wasser, in welchem sich die umliegenden Bergketten spiegeln. Um zur Fischunkelalm auf der anderen Seite des Sees zu gelangen, folgt man einfach dem Uferweg, der bald ein kleines Stück ansteigt und über mehrere Steinstufen hinwegführt. Nach dieser kurzen Anstrengung geht es aber auch gleich wieder bergab und in schnellen Schritten zur Fischunkelalm, die in den Sommermonaten bewirtschaftet ist. Ähnlich wie St. Bartholomä blickt die Alm auf eine lange Geschichte zurück, schon seit Jahrhunderten wird hier Almwirtschaft betrieben. Von der Alm sind es dann noch etwa 30 Minuten bis zum Röthbachfall, dem mit insgesamt 470 Metern höchsten Wasserfall Deutschlands. Den besten Blick auf den Wasserfall hat man aus etwa 400-500 Metern Entfernung, je weiter man sich danach nähert, desto mehr verschwindet der relativ schmale Wasserfall hinter den Bäumen. Mit ein wenig Kraxelei lässt sich aber doch noch ein ganz schöner Blick auf den Wasserfall und vor allem auch das Tal mit dem Obersee werfen. Der Aufstieg ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert in jedem Falle gutes Schuhwerk und Trittsicherheit. Im Anschluss geht es dann auf gleichem Wege wieder zurück zur Anlegestelle, es sei denn man hat sich eine der schweren Anschlusstouren zur Gotzenalm oder zum Steinernen Meer vorgenommen. Wer auf der Hinfahrt noch nicht bei St. Bartholomä an Land gegangen ist, kann dies nun immer noch auf der Rückfahrt nachholen, bevor es dann zurück zur Seelände geht.


Ausgangspunkt: egal ob man den Malerwinkel-Rundweg gehen möchte, oder mit dem Schiff nach St. Bartholomä und zur Anlegestelle Salet fahren will, in beiden Fällen beginnt die Tour in dem kleinen Ort Königssee, gleich hinter der Touristenmeile. Die Anlegestelle Seelände befindet sich auf der rechten Seite, der Malerwinkel-Rundweg beginnt auf der linken Seite hinter den Bootshäusern. Den Ort Königssee selbst kann mit dem Bus (Linie 841) von Berchtesgaden aus erreicht werden, in unmittelbarer Nähe zur Touristenmeile befindet sich zudem ein großer Parkplatz, der selbst in der Hochsaison selten voll ausgelastet ist.

Dauer: variiert sehr stark je nachdem, welche Stationen man alle besichtigen möchte. So oder so sollte man sich für einen Besuch des Königssees aber einen ganzen Tag Zeit nehmen. Den Malerwinkel-Rundweg geht man besser separat an einem anderen Tag an, die ungefähre Dauer hierfür beträgt etwa 1-1,5 Stunden.

Entfernung: siehe Dauer, sehr unterschiedlich, insgesamt kommen aber schnell über 12 Kilometer zusammen. Malerwinkel-Rundweg: ca. 4 km.

Schwierigkeit / Anspruch: wer sich nur auf den Hauptwegen bewegt, muss mit keinen besonderen Schwierigkeiten rechnen, der Königssee ist dann für Besucher aller Altersstufen bestens geeignet. Bei den weiter unten aufgeführten Anschlusstouren steigt der Schwierigkeitsgrad mitunter jedoch erheblich. Der Weg entlang des Obersees erfordert an einigen Stellen aufgrund zuweilen rutschiger Steine ein gewisses Maß an Trittsicherheit. Besondere Vorsicht ist für all jene geboten, die beim Röthbachfall ein Stück hinauf kraxeln wollen.

Abstecher / Anschlusstouren: die Wandermöglichkeiten rund um den Königsse sind ausgesprochen vielfältig, daher seien hier nur einige ausgewählte Anschlusstouren erwähnt. So geht beispielsweise vom Malerwinkel-Rundweg ein kleiner Pfad zum Ufer des Königssees ab, von wo aus ein Uferweg bis zum sehenswerten Königsbach-Wasserfall verläuft. Dieser Weg ist nicht ausgeschildert, aber wer sich zum Ufer begibt, kann ihn nicht verfehlen. Stellenweise verläuft der Pfad sehr dicht am Ufer entlang und über glitschige Felsen hinweg, daher ist hier unbedingte Trittsicherheit erforderlich. Alternativ lässt sich der Wasserfall auch mit einem Ruderboot erreichen.

Auf Wunsch halten die Fähren der Königsseeschifffahrt auch bei der Anlegestelle Kessel (noch vor St. Bartholomä), von dort besteht dann die Möglichkeit steil hinauf bis zur Gotzenalm zu wandern. Noch schweißtreibender ist der Weg zum Funtensee, der zunächst von St. Bartholomä aus am Schrainbach-Wasserfall vorbei führt und dann alsbald durch eine nicht ohne Grund als Saugasse bezeichnete Steilpassage. Oben angekommen, kann im Kärlingerhaus am Funtensee gerastet und bei Bedarf auch übernachtet werden. Beide Touren erfordern eine gute Kondition und eine sorgfältige Weg- und Zeitplanung. Eine weitere schwere Tour führt ebenfalls von St. Bartholomä über die Sigeretplatte und den Trischübelpass zum Wimbachtal (wer es sich etwas leichter machen möchte, sollte die Tour aber besser in umgekehrter Richtung vom Wimbachtal aus begehen). Deutlich einfacher (und schneller) zu erreichen ist die so genannte Eiskapelle bei St. Bartholomä, wer aber dann auch noch am selben Tag zum Obersee und zum Röthbachfall möchte, kann hierbei leicht unter Zeitdruck geraten. Wer der Watzmann-Ostwand einmal besonders nahe kommen möchte, kommt aber um einen Besuch der Eiskapelle nicht herum. Über den relativ anspruchsvollen Rinnkendlsteig können geübte Bergwanderer auch von St. Bartholomä zur Kührointhütte und dann weiter zum Watzmann-Haus aufsteigen.

Auch von der Anlegestelle Salet sind einige längere Touren möglich: so stellt der Sagerecksteig eine weitere Mölichkeit dar, zum Funtensee zu gelangen. Der Kaunersteig hingegen führt zur Gotzenalm. Nahe des Wasserfalls führt außerdem der schon recht schwere Röthsteig zur Wasseralm hinauf.

Empfohlene Jahreszeit: April/Mai – Oktober, im Winter fahren die Fähren nur bis nach St. Bartholomä, was einen aber auch in der kalten Jahreszeit nicht von einem Besuch des Königssees abhalten sollte. Nur etwa alle zehn Jahre friert der See im Winter komplett zu, ein besonderes Ereignis, welches fast noch mehr Besucher als im Sommer anzieht.

Einkehrmöglichkeiten: Alpengaststätte Saletalm, Fischerstüberl, Fischunkelalm, Historische Gaststätte St. Bartholomä

Nützliche Links:

Seenschifffahrt - Königssee. Aktueller Fahrplan und Tarife der Fähren.

RVO Bus 841. Fahrplan vom RVO Bus 841.

Nationalpark Berchtesgaden - Königssee und Umgebung. Info-Flyer zum Königssee (PDF-Datei).

Bayerische Schlösserverwaltung - St. Bartholomä. Offizielle Seite zur Wallfahrtskirche.

Wikipedia - Königssee. Wikipedia-Seite zum Königssee.

Wikipedia - Obersee (Königssee). Wikipedia-Seite zum Obersee.