Schmale Pfade

Deutschlands schönste Wanderwege

Bayerischer Wald - Spiegelau

Steinklamm - Großer Rachel - Baumwipfelpfad und Tierfreigelände

Der kleine, im Herzen des Bayerischen Waldes gelegene Ort Spiegelau ist ein vorzüglicher Ausgangpunkt für nahezu alle Touren in den Nationalpark Bayerischer Wald. Viele Ziele können direkt zu Fuß von Spiegelau aus erreicht werden, außerdem verbindet der so genannte Igelbus Spiegelau mit allen in der weiteren Umgebung gelegenen Attraktionen wie etwa dem Baumwipfelpfad bei Neuschönau und ist somit auch für Besucher ohne PKW sehr zu empfehlen. Letztere wird es auch freuen, dass Spiegelau über einen eigenen Bahnhof verfügt, was im Bayerischen Wald durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Etwa alle zwei Stunden wird dieser Bahnhof von der Bayerischen Waldbahn angefahren. Der Name des Ortes, Spiegelau, deutet bereits darauf hin, dass die Glaswirtschaft hier eine lange Tradition innehat. Zwar wird heute kein Glas mehr in Spiegelau produziert, aber immerhin ist hier heutzutage das Technologiezentrum für Heisglastechnologie der FH Deggendorf angesiedelt und im an der Hauptstraße gelegenen Glaszentrum können Besucher qualitativ hochwertige (Wein-)Gläser erwerben. Die wichtigste Einnahmequelle für Spiegelau und alle umliegenden Gemeinden ist aber ganz klar der Tourismus, wozu sicher auch die Gründung des Nationalparks (der pro Jahr über 700.000 Besucher zu verzeichnen hat) im Jahr 1970 ein gutes Stück mit beigetragen hat.

Die Steinklamm

Die Steinklamm grenzt unmittelbar an den Ort Spiegelau (im Süden, nahe der Sparkasse) an und ist daher problemlos zu Fuß zu erreichen (Wegmarkierung „Steinforelle“). Bei dem erst 2005 eröffneten Weg durch die bis zu 100 Meter tiefe Klamm handelt es sich um einen stellenweise recht schmalen, steinigen und wurzelreichen Pfad, der nahe am Wasser entlang führt. Mächtige Felsbrocken unterbrechen immer wieder den Wasserlauf und sorgen dafür, dass sich zahlreiche Kaskaden und Strudellöcher bilden, die zum Teil bis zu 2 Meter tief sein können. Aufgrund der Beschaffenheit des Weges ist ein Besuch der Klamm etwa mit einem Kinderwagen leider nicht möglich. Auch sollte bedacht werden, dass diese Wanderung erst nach der Schneeschmelze möglich ist, was in etwa den Monaten von Mai bis Oktober entspricht. Der Spaziergang durch die Klamm kann leicht zu einer kleinen Rundwanderung erweitert werden. Aufgrund der landschaftlichen Schönheit der Klamm kommt aber mit Sicherheit auch bei einer Rückkehr auf demselben Wege keine Langeweile auf, tatsächlich ist diese Variante im Grunde sogar fast empfehlenswerter. Wer jedoch weitergehen möchte, folgt dazu einfach weiterhin der Wegmarkierung „Steinforelle“ und gelangt dann recht bald zum zwar schön gelegenen, ansonsten aber nicht sonderlich spektakulären Stausee Großarmschlag und von dort entlang des Kanaldammes und auf einem Waldweg zurück nach Spiegelau. Diese etwa 7 Km lange Route lässt sich in ca. 2 Stunden bewältigen.


Der Große Rachel

Den 1453 Meter hohen Großen Rachel kann man von Spiegelau aus kaum übersehen, er dominiert das Landschaftsbild in diesem Teil des Bayerischen Waldes ganz eindeutig. Die Entfernung von Spiegelau zum zweithöchsten Berg des Bayerischen Waldes (nach dem Großen Arber) sollte aber nicht unterschätzt werden. Ein Ausflug zum Großen Rachel kann eigentlich nur im Rahmen einer Tagestour bewältigt werden. Vom Gipfel des Großen Rachel bietet sich eine ganz fantastische Aussicht über weite Teile des Bayerischen Waldes und auch auf den Böhmerwald auf der tschechischen Seite. Den besten Ausgangspunkt für eine Besteigung des Berges stellt der Parkplatz Gfäll dar, der zumindest in den Sommermonaten auch vom Igelbus angefahren wird. Von dort aus führt ein recht steiler Schotterweg (Wegmarkierung „Auerhahn“) bis hinauf zum Gipfel (ca. 1 ½ Stunden). Noch kurz vor dem Gipfel lädt das Waldschmidthaus zu einer ersten Rast ein, außerdem ermöglicht es ein nahegelegener Aussichtspunkt bereits einen ersten Blick auf den Rachelsee werfen. Es ist kaum zu empfehlen, nach dem Gipfelbesuch auf demselben Weg zum Parkplatz zurückzukehren, da das Gehen auf dem rutschigen Schotter dann sehr unangenehm sein kann. Es ist daher besser auf der anderen Seite des Berges hinabzusteigen, von wo aus dann mehrere mögliche Wanderrouten zur Auswahl stehen. Wer möchte, kann sogar ganz bis nach Spiegelau zurückwandern. Dies ist dann zwar eine sehr lange, aber auch ziemlich abwechslungsreiche Tour, die dank der gut markierten Wege im Nationalpark selbst ohne Wanderkarte recht leicht beschritten werden kann. Kürzer ist eine Wanderung zurück zum Parkplatz Gfäll über den Rundweg „Auerhahn“ oder aber zur Racheldiensthütte, die ebenfalls vom Igelbus angefahren wird. Egal für welche Variante man sich entscheidet, den zwei wichtigsten Wegstationen begegnet man so oder so gleich zu Beginn beim Abstieg vom Gipfel. Nämlich zum einen der Rachelkapelle und zum anderen dem Rachelsee. Zunächst aber muss man ein gutes Stück vom Gipfel hinabsteigen, wobei neben dem Rachelsee nun auch der arg durch Borkenkäferbefall in Mitleidenschaft gezogene Bergfichtenwald besonders stark ins Auge fällt. Ein Großteil der Bäume im Gipfelbereich ist bereits abgestorben, so dass der Landschaft hier oben etwas leicht Gespenstisches anhaftet. Da der Große Rachel Teil des Nationalparks ist, wird hier von forstwirtschaftlicher Seite nicht eingegriffen, vielmehr soll sich der Baumstand auf natürliche Weise wieder erholen, was freilich noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird.

Etwa auf der Hälfte des Weges hinab zum See befindet sich die winzige, ursprünglich aus dem Jahre 1885 stammende Rachelkapelle. Dass die Rachelkapelle komplett aus Holz gebaut ist, wurde ihr kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zum Verhängnis, da sie dann einem Brand zum Opfer fiel. Relativ schnell wurde das alte Gebäude aber durch ein neues ersetzt (welches in 1990er Jahren wiederum rundum neu saniert wurde) und steht bis heute allen Wanderern zur stillen Einkehr auf immerhin 1212 Metern Höhe zur Verfügung. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei dieser höchst idyllisch gelegenen Kapelle geht es weiter hinab bis zum Ufer des Rachelsees, wo einige Bänke zu einer kurzen Rast einladen. Bei schlechtem Wetter kann alternativ in der nahegelegenen Rachelsee-Schutzhütte Zuflucht gesucht werden. Auf der nördlichen Seite des Sees erhebt sich eine steile Seewand, aus welcher der Seebach entspringt, der einen der Quellbäche der Großen Ohe darstellt, die Besuchern Spiegelaus und der Steinklamm bereits bestens bekannt sein dürfte. Wer mag, kann den Uferbereich des nur 5,7 Hektar großen, aber stellenweise immerhin 13,5 Meter tiefen Sees auf dem so genannten Urwaldlehrpfad noch etwas genauer erkunden, bevor man sich dann wieder zurück auf den Hauptweg begibt. Wer zurück zum Parkplatz Gfäll möchte, folgt ab hier einfach der Wegmarkierung „Auerhahn“, für diesen Rundweg werden insgesamt etwa vier Stunden benötigt. Ähnlich lange dauert die Wanderung ab dem Parkplatz Gfäll, wenn man stattdessen zur Racheldiensthütte wandert (Wegmarkierung „Specht“). Kürzer ist es, wenn man bei der Racheldiensthütte startet und dann einfach einmal komplett dem Rundweg „Specht“ folgt, allerdings bekommt man bei dieser Variante nur die eine, wenn auch interessantere Seite des Berges mit dem Rachelsee und der Rachelkapelle zu Gesicht. Etwas aufwendiger, aber eben auch erlebnisreicher ist die Wanderung nach Spiegelau, genauer gesagt zum Waldspielgelände bei Spiegelau. In diesem Fall geht es zunächst entlang der Wegmarkierung „Auerhahn“ bis hin zur Feistenbergschutzhütte. Ab hier führt der mit einem „Ahornblatt“ markierte Weg durch das Naturschutzgebiet Föhrau-Filz, eine der Kernzonen des Nationalparks, bis zum Waldspielgelände direkt bei Spiegelau. Diese Route gibt Wanderern einen guten Einblick in die streng geschützten Hochmoorflächen des Nationalparks, durch die ansonsten kein weiterer Wanderweg führt.


Der Baumwipfelpfad und das Tierfreigelände

Insbesondere (aber natürlich nicht ausschließlich) für Besucher mit Kindern lohnt sich ein Besuch des Tierfreigeländes und des Baumwipfelpfades bei Neuschönau. Dank des Igelbusses ist die Anreise von Spiegelau auch ohne eigenen PKW problemlos möglich. Das Tierfreigelände und der Baumwipfelpfad liegen eng beieinander und können daher direkt nacheinander besucht werden. Die Reihenfolge spielt dabei zwar keine Rolle, ein Besuch des sehr weitläufigen Tierfreigeländes nimmt allerdings deutlich mehr Zeit in Anspruch, beim Baumwipfelpfad ist hingegen der Besucherandrang spürbar größer, was beides bei der Planung bedacht werden sollte.

Zum Baumwipfelpfad gelangt man direkt beim Parkplatz des Tierfreigeländes, hier gibt es einen kleinen Einstiegsturm, welcher den barrierefreien Zutritt zum Pfad erlaubt. Der Baumwipfelpfad ist noch relativ jungen Datums, denn er wurde erst im September 2009 eröffnet. Mit einer Gesamtlänge von 1300 Metern ist er der weltgrößte Baumwipfelpfad. Der eigentliche Steg ist allerdings „nur“ 780 Meter lang, die restlichen 520 Meter entfallen auf die Rampe, welche den 44 Meter hohen Aussichtsturm am anderen Ende des Pfades hinaufführt. Da fast die gesamte Anlage aus Holz gefertigt wurde, fügt sie sich sehr harmonisch in den umliegenden Wald ein. In einer Höhe von 8 bis maximal 25 Meter bekommt man einen ganz neuen und ungewohnten Einblick in die faszinierende Waldlandschaft. Besonders eindrucksvoll ist natürlich der Aussichtsturm, in dessen Zentrum eine 38 Meter hohe Tanne steht. Von der Aussichtsplattform aus bekommt man nicht nur den Großen Rachel und den Lusen zu Gesicht, sondern kann bei klarem Wetter sogar die Gebirgszüge der Alpen in der Ferne erkennen. Nach einem Besuch des Pfades kann man sich bei Bedarf im nahegelegenen Café stärken oder stattdessen seinen Wissenshunger im Informationszentrum des Hans- Eisenmann-Hauses stillen.


Auf einer Gesamtfläche von rund 200 Hektar wird den Vertretern von knapp 40 verschiedenen Tierarten im Tierfreigelände des Nationalparkzentrums Lusen ordentlich viel Bewegungsfreiheit geboten. Die einzelnen Gehege und Volieren sind in der Tat sehr weitläufig, so dass es manchmal gar nicht so einfach ist, Wolf, Bär und Luchs, sowie die vielen anderen Tiere, die allesamt zur heimischen Fauna gehören oder zumindest einmal gehört haben, auch wirklich zu Gesicht zu bekommen. Die Weitläufigkeit des Geländes hat auch zur Folge, dass ein kompletter Rundgang recht zeitaufwändig ist, bis zu vier Stunden kann die etwa 7 Kilometer lange Strecke durchaus in Anspruch nehmen, sie kann aber bei Bedarf auch an zwei Stellen deutlich abgekürzt werden. Im Gegensatz zum Baumwipfelpfad ist ein Besuch des Tierfreigeländes eintrittsfrei, außerdem ist das Tierfreigelände ganzjährig rund um die Uhr geöffnet, selbst zu nächtlicher Stunde ist der Zutritt möglich. Dies gilt allerdings nicht für jene Gehege, die von den Besuchern unmittelbar betreten werden können. Wer also mit den Wildschweinen auf Tuchfühlung gehen möchte, muss dies bis zum späten Nachmittag tun.

Nützliche Links:

Spiegelau. Offizielle Webseite von Spiegelau.

Nationalpark Bayerischer Wald. Webseite vom Nationalpark Bayerischer Wald.

Wikipedia - Steinklamm. Wikipedia-Seite zur Steinklamm.

Bayerischer Wald.de - Steinklamm. Infos zu Wandertouren in und um die Steinklamm.

Wikipedia - Großer Rachel. Wikipedia-Seite zum Großen Rachel.

www.Großer-Rachel.de. Infos rund um den Großen Rachel.

Wikipedia - Rachelsee. Wikipedia-Seite zum Rachelsee.

Wandern auf dem Eiszeitlehrpfad. Informationen zum Eiszeitlehrpfad Rachelsee.

Baumwipfelpfad. Webseite zum Baumwipfelpfad.

Nationalpark-Zentrum Lusen - Tierfreigelände. Informationen zum Tierfreigelände.

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