Schmale Pfade

Deutschlands schönste Wanderwege

Berchtesgadener Alpen - Watzmann

Königssee - Kührointalm - Falzsteig - Watzmannhaus - Hocheck

Mit seinen 2713 Metern (Mittelspitze) ist der Watzmann der höchste Berg der Berchtesgadener Alpen und ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger gleichermaßen. Für die meisten Bergwanderer dürfte aber nur eine Besteigung des 2651 Meter hohen Hochecks in Frage kommen, wer von dort aus weiter zur Mittel- und Südspitze (Watzmann-Überschreitung) möchte, sollte absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen. Aber auch eine Besteigung des Hochecks sollte nicht unterschätzt werden, nicht ohne Grund kehren viele Wanderer auf halber Strecke um, weil sie Länge und Schwierigkeit des Weges falsch eingeschätzt haben. Zumindest lässt sich das Hocheck noch innerhalb einer Tagestour vom Tal aus erreichen, auch der Abstieg am selben Tag ist durchaus möglich, wenn man rechtzeitig aufbricht, eine gute Kondition ist dafür allerdings unabdingbar.


Für Wanderer kommen insgesamt vier unterschiedliche (aber sich stellenweise überschneidende) Routen zum Watzmann in Frage, das letzte Stück von der Falzalm zum Watzmannhaus ist bei allen Varianten gleich. Die meisten Wanderer starten bei der Wimbachbrücke oder beim Parkplatz Hammerstiel und gelangen dann später über die Stuben- und Mitterkaseralm hinauf zur Falzalm. Diese beiden Wege sind, von der beständigen Steigung einmal abgesehen, einfach zu gehen, allerdings landschaftlich auch längst nicht so reizvoll wie die anderen beiden Routen. Relativ anspruchsvoll und daher nur Geübten zu empfehlen ist der Aufstieg über den Rinnkendlsteig bei St. Bartholomä, für die Mühen dieses Weges wird man allerdings mit herrlichen Ausblicken auf den Königssee entschädigt. Zu guter Letzt steht noch die hier näher beschriebene Variante zur Auswahl, bei der man im Ort Königssee startet. Auch diese Tour beinhaltet mit dem Falzsteig eine etwas schwierigere Passage, ist aber insgesamt dennoch deutlich einfacher zu bewältigen wie der Rinnkendlsteig.


Die Wanderung führt zu Beginn dicht an der Bob- und Rodelbahn bei Königssee vorbei, zunächst in Richtung des Grünsteins. Steil führt der breit angelegte Weg in den Bergwald hinein und schon bald zweigt ein kleiner Pfad zu einem beliebten Klettersteig am Grünsteig ab. Nur ein kurzes Stück später besteht auch für Wanderer die Möglichkeit über einen weiteren Pfad einen Abstecher zum Grünstein zu unternehmen, doch im Rahmen einer Tagestour zum Watzmann ist dies eher nicht zu empfehlen. Also geht es stattdessen weiter auf dem Hauptweg in Richtung der Kührointalm, dem ersten großen Etappenziel dieser Tour. Nach einer recht starken Steigung endet der Weg bei einem Wendeplatz für Fahrzeuge, von dort geht es nun auf einem kleineren Pfad durch den Wald weiter. Schon bald kreuzt dieser nochmal einen größeren Fahrweg. Zwar kann die Kührointalm auch über diesen Weg erreicht werden, schöner ist es allerdings, wenn man weiter dem Pfad folgt, der schon bald zu einer waldfreien Fläche führt, von der sich bereits ein erster Blick auf die Gipfel des Watzmanns werfen lässt. Zur Kührointalm ist es nun nicht mehr weit, in knapp zwanzig Wegminuten ist die höchst idyllisch gelegene Alm erreicht. Es kann nicht schaden, hier eine etwas längere Pause mit einem Glas Buttermilch und einem guten Stück Kuchen einzulegen, denn der weitere Weg bis zum Watzmannhaus ist deutlich steiler und felsiger als bislang.


Über einen Wiesenpfad geht es vorbei an der kleinen Kapelle der Alm und dann erneut in bewaldetes Gebiet. Eng schmiegt sich der Pfad an einem recht steilen Abhang entlang, doch es dauert noch ein ganzes Stück, bis der eigentliche Falzsteig beginnt, der in mehreren Kehren steil hinauf zur Falzalm unterhalb des Watzmannhauses führt. Von weitem sieht dies anspruchsvoller aus, als es dann letztlich tatsächlich ist, die ausgesetzteren Stellen sind zudem mit Drahtseilen gesichert. Schwindelfrei sollte man hier allerdings schon sein, um beim Blick ins tief unten liegende Tal nicht plötzlich ins Wanken zu geraten. Wenn dann schließlich die Falzalm erreicht ist, geht es auf demselben Weg weiter, den alle Wanderer zum Watzmannhaus nehmen müssen. Erneut geht es hier über viele Serpentinen immer weiter hinauf, der Weg ist hier aber deutlich breiter als zuvor und das Gelände nicht so abschüssig wie noch beim Falzsteig. Wie schon zuvor sind die verschiedenen Gipfel des Watzmanns, vor allem aber der Kleine Watzmann (auch: Watzmannfrau) bereits gut zu erkennen, sofern sie nicht gerade von Wolken umgeben sind.


Nach einer Weile ist dann endlich auch das durch seine exponierte Lage sehr imposant wirkende Watzmannhaus erreicht. Bevor es zum Hocheck weiter gehen kann, sollte hier unbedingt noch einmal eine Pause eingelegt werden, schließlich steht nun das schwerste Stück der gesamten Wanderung bevor. Anfangs scheint der Weg noch relativ harmlos, die Kehren weisen nur eine gemächliche Steigung auf und lassen sich recht gut gehen. Dann aber wird der Weg zunehmend steiler und führt bald ausschließlich über Fels und Geröll. Ohne das richtige Schuhwerk ist dieser Weg daher kaum vernünftig zu gehen. An einigen steileren Abschnitten wurden Drahtseile zur Sicherung angebracht, doch die meiste Zeit über muss man ohne derartige Sicherungen auskommen. Dringend nötig sind sie allerdings auch nicht, da man eigentlich immer weit genug von etwaigen Abgründen entfernt ist, solange man den vorgesehenen Weg nicht verlässt. Dieser ist aber manchmal nicht ganz leicht auszumachen, da die roten Wegmarkierungen auf den Felsen oft etwas verwittert sind. Im Zweifel sollte man also besser stehen bleiben und sich genau umsehen, bevor man in die falsche Richtung marschiert. Einfach mal stehen bleiben sollte man ohnehin immer wieder, um die herrliche Aussicht über das Wolkenmeer rund über den Berchtesgadener Alpen und noch weit darüber hinaus zu genießen. Mit einer großen Portion Glück entdeckt man vielleicht auch mal einen Steinbock zwischen den Felsen des Gipfelgebiets (in diesem Fall sollte man allerdings respektvollen Abstand halten, Steinböcke sind nicht ganz ungefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen). Oft machen einem beim Watzmann allerdings Nebel und Wolken einen Strich durch die Rechnung und reduzieren die schöne Aussicht ganz erheblich. Trotzdem ist jede Besteigung des Watzmanns ein ganz besonderes Erlebnis, selbst wenn man es vielleicht nicht ganz bis zum Gipfelkreuz schaffen sollte. Von dort geht es dann allerdings nur noch für wirklich Geübte weiter, alle anderen kehren auf demselben Weg um, zuerst zum Watzmannhaus, dann weiter zur Falzalm. Anstatt nun wieder über den Falzsteig auf demselben Weg zurückzukehren, kann man von hier auch alternativ über die Mitterkaser- und Stubenalm entweder zur Wimbachbrücke oder zum Parkplatz Hammerstiel aufbrechen, was insbesondere im Abstieg der schnellere und bequemere Weg ist.

Ausgangspunkt: die Wanderung beginnt unweit der Bob- und Rodelbahn in Königssee. Autofahrer parken am besten auf dem großen Parkplatz direkt beim Königssee und gehen den Rest zu Fuß, Busreisende (RVO-Busse 839, 841 und 842 von Berchtesgaden aus) steigen ebenfalls beim Königssee aus.

Dauer: im Falle einer Tagestour bis zum Hocheck sind für den Hin- und Rückweg mit Pausen und je nach Schritttempo insgesamt 10-12 Stunden zu veranschlagen. Für den Weg zum Hocheck werden vom Watzmannhaus etwa 3 Stunden benötigt, der Rückweg ist fast in der Hälfte der Zeit zu schaffen.

Entfernung: ca. 15 km, wichtiger als die reine Kilometerzahl ist hier allerdings die Tatsache, dass im Auf- und Abstieg jeweils beinahe 2000 Höhenmeter bewältigt werden müssen.

Schwierigkeit / Anspruch: eine Wanderung zum Watzmann ist in jedem Fall konditionell sehr fordernd, es kann daher ratsam sein, eine Übernachtung im Watzmannhaus in Erwägung zu ziehen, und das Hocheck erst am zweiten Tag in Angriff zu nehmen. Für die lange und anspruchsvolle Watzmann-Überschreitung ist eine vorherige Übernachtung ohnehin fast ein Muss. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass es insbesondere an Wochenenden sehr voll am Watzmann werden kann und Hüttenplätze daher rechtzeitig reserviert werden müssen. Gute Bergschuhe sind bei allen Wegvarianten dringend zu empfehlen, für die Watzmann-Überschreitung und den Rinnkendlsteig kann aufgrund von Steinschlaggefahr auch ein Helm von Nutzen sein. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind je nach gewählter Wegvariante spätestens auf dem Weg zum Hocheck erforderlich, für den Rinnkendl- und den Falzsteig aber auch schon vorher. Nicht alle ausgesetzten Passagen sind auch mit Drahtseilen gesichert, dies gilt insbesondere für den weiteren Weg zu Mittel- und Südspitze. Ausreichend Verpflegung und Getränke gehören unbedingt ins Gepäck, auch für den Aufstieg zum Hocheck, denn dieser ist deutlich länger, als es vom Watzmannhaus aus vielleicht den Eindruck macht. Auch bei eigentlich gutem und warmem Wetter muss am Watzmann stets mit plötzlichen und heftigen Wetterumbrüchen gerechnet werden, selbst im Hochsommer sollte wetterfeste Kleidung daher nicht im Rucksack fehlen.

Abstecher / Anschlusstouren: bei der hier beschriebenen Route besteht die Möglichkeit für einen Abstecher zum Grünstein. Da dies aber einen (kleinen) Umweg darstellt, ist die Wanderung dann eventuell nicht mehr als Tagestour zu schaffen. Nach der Watzmann-Überschreitung geht es in der Regel über das Wimbachtal zurück nach Ramsau bzw. Berchtesgaden, über den Trischübelpass kann man stattdessen aber auch nach St. Bartholomä oder zum Funtensee wandern.

Erfahrene Kletterer wollen sich eventuell auch an der berühmt-berüchtigten Watzmann-Ostwand (auch: Bartholomäwand) versuchen. Die verschiedenen Kletterrouten dort setzen in jedem Fall eine sehr gute Planung und Vorbereitung voraus, nähere Infos dazu finden sich unter anderem hier.

Empfohlene Jahreszeit: Mai-Oktober

Einkehrmöglichkeiten: Kührointalm, Watzmannhaus, Mitterkaseralm, Stubenalm

Nützliche Links:

Wikipedia - Watzmann. Wikipedia-Seite zum Watzmann.

Berchtesgadener Land - Der Watzmann. Infos zum Watzmann und den verschiedenen Touren.

Bergsteigen.com - Watzmann-Überschreitung. Infos zur Watzmann-Überschreitung.

Alpenverein - Sicher auf den Watzmann. Info-Flyer zum Watzmann (PDF-Datei).

Kommentare (1)

Thema: Watzmann
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Baris sagt...
Viel Spa├č beim Wandern!
8 August 2014 08.15
Seite 1 von 1

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